Förderverein Sollingbad Dassel e.V.

Geschichte

 

Die Anfänge der Dasseler Badeanstalt

"Einen lang gehegten Bedürfniss und vielseitigen Wunsch entsprechend, hatte sich auf Aufforderung von Herrn Dr. Wagner und unter Vorsitz desselben im Klenkeschem Gasthause heute eine Versammlung von etwa 30 Personen eingefunden, in welcher die Bildung eines Schwimmvereins beschlossen wurde. Nachden ihr Vorsitzender das Wesen und die Ziele des Vereins zur Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und Errichtung einer Badeanstalt auf der städtischen Wiese an der Spolie beim Überfall, eingehend erläutert hatte, wurde die Satzung festgestellt.

Sodann wurden zu Vorstandsmitgliedern gewählt:
1. erster Vorsitzender Herr Dr. Wagner
2. zweiter Vorsitzender Herr Glare
3. Schwimmwart Herr Schütz
4. Kassenwart E. Krückeberg
5. Schriftführer Ad. Creydt

Da die Aufwandskosten zur Errichtung der Badeanstalt unter den heutigen Verhältnissen ungeheuer groß sein werden, wurde beschlossen die Erdarbeiten durch Selbsthilfe und durch Hinzuziehung der hiesigen Jugendvereine (Fußballklub, Radfahrerverein, Turnverein, Kegelklub etc.) ausführen zu lassen. Ferner soll versucht werden von der Regierung und den zuständigen Stellen des hiesigen Kreises Mittel zu beschaffen."

Dies ist das Gründungsprotokoll des Schwimmvereins zu Dassel vom 13. Juni 1922.

Vor vielen Jahren fanden sich einige Idealisten zusammen, die auf Vereinsbasis dafür sorgten, daß Dassel schon verhältnismäßig früh ein Schwimmbad bekam. Aber von der Gründung den Vereins bis zur Fertigstellung des Bades war es noch ein weiter Weg. Als ersten erfolgte der Antrag auf Eintragung in das Vereinsregister, dem am 2. August 1922 unter dem Vereinsregister Nr. 40 als "Schwimmverein zu Dassel" stattgegeben wurde. Gleichzeitig wurden die Baupläne eingereicht und Wasserproben für das Unbedenklichkeitsgutachten aus der Spolie entnommen. Die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen von der Universität Göttingen und das amtsärztliche Gutachten des Kreismedizinalrats ergaben keine Bedenken in hygienischer Beziehung für die Errichtung einer Badeanstalt. Damit war für den Verein eine große Hürde genommen worden.

Während der gesundheitliche Aspekt von Amts wegen schnell erledigt werden konnte, dauerte die Genehmigung der baulichen Seite wesentlich länger. Geplant wurde ein Becken von 30m x 10m, das eine allmählich abfallende Tiefe von 0.50m bis 2,50m mit einem Fassungsvermögen von 500 m3 aufweisen sollte. Die Nichtschwimmerseite sollte durch ein Drahtseil vom Schwimmerbecken abgetrennt werden. Einmal im Jahr war an die Erneuerung des Wassers gedacht. Um den Voyeuren keine Chance zu bieten, sollte Nichteinblick durch einen Erdwall, auf dem eine Tannenhecke gepflanzt werden sollte, gewährleistet werden.

Der Bauantrag wurde noch Ende des Jahres abgelehnt, weil der Antrag auf die Errichtung einer Badeanstalt im Wasserlauf ausgerichtet war, die geplante aber ein Becken 5m neben der Spolie vorsah. Auch die Gemeinnützigkeit war nicht genügend erläutert.

Nun wurde ein weiterer Antrag gestellt. Nachdem ein halbes Jahr ohne Ergebnis verstrichen war, schaltete der Verein den deutschen Schwimmverband ein, der "bei der Regierung in Hildesheim ganz energisch vorstellig" werden sollte. Der Brief an den Regierungspräsidenten hatte zur Folge, daß das Verfahren beschleunigt wurde. Wahrscheinlich ist Ende 1923 die Baugenehmigung erteilt worden.

Im März 1924 stiftete die Forstgenossenschaft durch ihren Vorsitzenden Friedrich Creydt 20 Fichtenstangen zum Bau der Badeanstalt. Dieses Jahr ist auch als das Geburtsjahr des Bades anzusehen. Folgender Brief (1925) des Schwimmvereins an den Kreisausschuß Einbeck, Bezirksfürsorgeverband, gibt nicht nur die Situation des Vereins wieder sondern wirft auch ein Licht auf die Verhältnisse der Stadt Dassel zur damaligenen Zeit.

"Im vorigen Jahr hat der Schwimmverein e.V. Dassel nach Genehmigung der Polizeibehörde und mit Einverständnis des Bezirksausschusses in Hildesheim mit dem Bau einer gemeinnützigen Badeanstalt in Dassel begonnen. Die Stadt Dassel zählt ca. 1.600 Einwohner. Der überwiegend größte Teil setzt sich aus Arbeitern und kleinen Leuten zusammen, denen jede Möglichkeit zum Baden fehlt. Dabei ist hervorzuheben, daß die meisten oben erwähnten Einwohner einen Beruf (Hütten-, Kalkwerk-, Holzarbeiter) haben, der vom gesundheitlichen Standpunkt aus ein häufiges Baden des Körpers unbedingt erfordert. Aus dieser Erkenntnis heraus hat der Verein trotz größter Schwierigkeiten sich entschlossen, an den Bau einer Badeanstalt heranzutreten. Der Verein zählt über 50 Mitglieder und hat durch seine mehrmaligen Sammlungen 726,- M aufgebracht, ein Ergebnis, das für die oben erwähnte ärmliche Sollingbevölkerung ein Erfolg bedeutet.

Abgesehen von den niedrig zu haltenden Vereinsbeiträgen wird der Verein ein ganz geringes Badegeld erheben können, um auch den Ärmsten die Möglichkeit zum Baden zu geben. Diese Einwohner werden kaum ausreichen, um die laufenden Ausgaben der späteren lnstandhaltungskosten zu decken. Sollte der Verein sich auflösen, so geht laut Vertrag mit der Stadt Dassel das Vereinsvermögen mit sämtlichen Einrichtungen an die Stadt Dassel über.

Der Verein hat für die Erdarbeiten den oben genannten Betrag von 726,- M verausgabt und außerdem durch seine Mitglieder und mit Hilfe anderer Vereine Arbeiten in gleicher Höhe geleistet. Die Sadt Dassel hat unentgeldlich den Platz im Werte von 1.100,- M zur Verfügung gestellt. Weitere Zuschüsse sind von der Stadt nicht zu erwarten, sie ist durch den Ankauf des von Grünhagenschen Gutes finanziell gebunden und durch unbedingt notwenige neue Straßenbauten weiterhin finanziell in Anspruch genommen. Weitere Unterstützung ist von der hiesigen Bevölkerung nicht zu erlangen. Es ist selbst unmöglich, den Restbetrag für das längst fertig gestellte Kriegerdenkmal z.Zt. aufzubringen.

Der Kostenanschlag bis zur Fertigstellung der Badeanstalt lautet 5.089,- M.

Davon ist bisher bezahlt und geleistet durch Selbstarbeit ca. 1.300,- M.

Der Verein ist weiterhin bereit durch Arbeit von Mitgliedern zur Fertigstellung der Badeanstalt beizutragen, so daß eine Summe von ca. 3.700,- M zur endgültigen Fertigstellung noch aufzubringen ist. Auf Grund obiger Ausführung bittet der Schwimm-Verein e.V. Dassel ergebenst um einen Zuschuß von 3.700,- M zur Fertigstellung der Badeanstalt."

1926 erfolgte die Aufnahme des Vereins in den Deutschen Schwimm-Verband.

1927 werden die Umkleidekabinen, Sitzbänke, Toiletten etc. gebaut und von einem Bretterzaun umgeben. Diese Arbeiten führte nach Besichtigung in Uslar die Fa. Gebr. Bartels durch Mitte Juni 1927 wurde nun endlich der Badebetrieb aufgenommen.

1928 beschloß der Vorstand: "Fürs Familienbad ist Badeanzug vorgeschrieben. Badende ohne vorschriftsmäßigen Badeanzug sind zum Familienbade nicht zu zulassen. Zum Familienbade sind junge Männer im Alter von 14 - 24 Jahre nicht zu zulassen."

1931 sind uns noch die Badepreise des "Schwimm, Brause-, und Sonnenbad des Schwimmvereins e.V. Dassel" überliefert. Einzelkarten kosteten 0,25 M bzw. 0,10 M für die Kinder, Jahreskarten 5,- M, für die Frau 3,- M und die Kinder 1,- M oder 2,- M je nach Alter, eine Einzelkabine 0,10 M. Für den Bademeister mußten 100,- M monatlich aufgebracht werden.

Im Laufe der Zelt wurde die finanzielle Lage des Vereins immer trostloser. In den letzten Jahren konnten noch nicht einmal die Zinsen für einen Kredit über 2.000,- M aufgebracht werden. Da auch die lnanspruchnahme öffentlicher Jugendpflegemittel für Schwimmbadeanstalten später nur möglich war, wenn sich die Einrichtung in Eigentum öffentlich-rechtlicher Verbände befanden, beschloß 1932 der Verein, die laut Satzung mögliche Übergabe an die Stadt Dassel mit allen Schulden und Guthaben.

geschrieben von Detlef Creydt

 

1962 Umbau des Bades in den heute bekannten Zustand mit dem gefliesten, großen 50m-Becken mit 6 Wettkampfbahnen mit Startblöcken und Sprungbereich mit zwei 1m-Sprungbrettern und 3m-Sprungturm.

1971 Einbau der Heizungsanlage.

1974 Neubau des Nichtschwimmerbeckens mit einer Rutsche und Erweiterung der Liegewiese.

1975 Einbau einer neuen Umwälzanlage.

1983 Modernisierung der Heizungsanlage.

1986 Sanierung der Sprungturmanlage.

2002 Einbau einer neuen Chlorgasanlage.

2012 Abschluss eines Betreibervertrages zwischen der Stadt Dassel, dem Ortsrat und dem Förderverein Sollingbad Dassel e.V.

2013 Inbetriebnahme der Nahwärmeversorgung durch die Eisengießerei Gattermann/Dassel.

2014 Umsetzung des Farbkonzeptes vom Farbdesigner Peter Zoernack/Dassel und umfangreiche Sanierungsarbeiten.

 

Das heutige Schwimmbad


360° Panorama-Foto

 

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